Matratzen und Zwischenbilanz

Einen Punkt des vorherigen Blogs von Geri muss ich präzisieren: Wir kaufen nicht "neue" Matratzen fürs Mütterhaus, sondern "überhaupt". Denn bis anhin haben die hochschwangeren Frauen auf Metallrosten geschlafen (Bild s. unten).

Gestern fuhren wir mit zwei Pick-ups nach Kafue, der nächstgrösseren Stadt, und haben also Matratzen und zwei Elektro-Herde fürs Mütterhaus gekauft. Leider gabs in der ganzen Stadt weder Leintücher noch Matratzenschoner dazu. Diese besorgen nun meine Eltern bei Ikea und geben sie einer Fuhr Hilfsgüter mit, die Anfang September in Lusaka ankommen sollte. 

Heute beim Frühstück haben Geri und ich eine Afrika-Zwischenbilanz gezogen: Was macht uns Freude? Was stresst uns? Was haben wir in den letzten Wochen gelernt?

Das Schöne zuerst: die Fröhlichkeit, die Zugewandtheit und die Liebenswürdigkeit der Menschen sind unvergleichlich. Sie haben das in ihrer DNA, obwohl sie Gründe zuhauf hätten, hässig und miesepetrig zu sein. Kein Wasser? Das kommt schon wieder. Kein Internet? Gott wirds richten. Kein Elektrisch? Irgendwann wirds wieder hell. Damit komme ich gleich dazu, was ich in den vergangenen Wochen gelernt habe: Geduld. (Herr, gib mir Geduld, aber ein bisschen plötzlich!) Wenns kein Wasser hat, können wir halt nicht duschen. Wir sind nicht die Einzigen. Wenn wir gefühlt stundenlang irgendwo auf irgendjemanden warten, halten wir eben das Gesicht in die Sonne und sitzen einfach. Wenig oder gar kein Komfort? Es geht auch ohne stylishe Métro-Fliesen, Zimmerpflanzen und Duftkerzen. Aber, ja: Es gibt auch Dinge, die stressen. Die riesigen Spinnen in unserem Zimmer sind für mich das Schlimmste. Sie secklen wies Bisiwetter, keine Chance, sie einzufangen (ich) oder zu killen (Geri). Der Umgang mit Tieren in afrikanischen Ländern ist ausserdem gerade für mich sehr schwierig. Sie werden weder gefüttert noch sonst irgendwie nett behandelt. Hunde, die nur noch Haut und Knochen sind, Ochsen, die allesamt Narben von den Schlägen haben: Das macht mich fertig.

Gerade kämpft Dani (vom Verein SwiZimAid) in der Schweiz für ein CPAP-Gerät. Dieses ist ein lebensrettendes medizinisches System, das Neu- und Frühgeborenen einen konstant leichten Luftdruck zuführt, um die Lungen offen zu halten. In der Neugeborenen-Station hier im Spital gibt es nur ein solches Gerät. Letzte Woche benötigten aber gleich zwei zu früh geborene Babys Unterstützung. Sie haben das kleinere Kind an die Maschine angeschlossen, als die Probleme beim grösseren zunahmen, bekam dieses Luft, das kleinere wurde wieder abgehängt. Die Ärztinnen und Ärzte mussten also stündlich abwägen, welchem Kind nun geholfen wird. Eines der beiden starb schliesslich. Wir hoffen nun ganz fest, dass mit den Hilfsgütern im September mindestens ein weiteres CPAP den Weg in den Busch findet. Wir drücken Dani die Daumen!


Schlafraum im Mütterhaus



Herd gekauft!

Funktionstest vor Ort

 
 
Passt alles rein?
 
 
Herd und Geri wohlbehalten zurück in Chikankata
 
Matratzenschoner und Leintücher aus Dietlikon ;-)
  
 
"Küche" Mütterhaus jetzt

Unsere Vision: Küche nachher

 

 


Kommentare

Anonym hat gesagt…
Ihr Lieben, auch wenn man beim Lesen eures Blogs am liebsten grad vor Ort wäre und mitanzupacken möchte, scheint euer essenzielles Engagement doch nur ein Tropfen in der afrikanischen Realität zu sein. Ich bewundere euren Einsatz, eure Geduld (auch wenn Du , Sybille, Dich nicht als geduldig bezeichnest) und Hilfsbereitschaft sehr. Herzliche Umarmung von Myriam
Sybille hat gesagt…
Das stimmt, liebe Myriam. Aber Tropfen machen Ozeane. Und: Ich komme mit Dalai-Lama-Geduld nach Uster zurück. Wetten?!? 😅
Peter Prévôt hat gesagt…
Mit dem neuen Equipment kommt der Raum euren Vorstellungen doch sicher schon recht nahe. Und mit eurem Optimismus und eurer Geduld skaliert ihr in der verbleibenden Zeit den Erfolg bestimmt auf das ganze Spital.
Anonym hat gesagt…
Liebe Sybille, lieber Geri. Mein tiefster Respekt. Gruess aus Grüningen

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