Sansibar
Wir starten frühmorgens um halb sieben am Strand unserer Lodge auf dem Festland Tansanias. Dann sei das Meer noch ruhig und das Geschüttle auf dem doch recht kleinen Boot erträglich, meinte John, unser Gastgeber. Ruhiges Meer meint natürlich nicht die Glätte des Greifensees. Und so springt unser Boot, angetrieben von einem 250-PS-Motor, zwischendurch ziemlich hart auf den Wellen auf. Ich frage mich, ob es das wohl 90 Minuten lang durchhält. Aber man gewöhnt sich daran.
Schliesslich landen wir auf Sansibar und fühlen uns wie Robinson Crusoe. Der Kapitän lässt uns an einem weissen Strand aussteigen. Das Wasser ist ruhig und türkisblau. Keine Ahnung, wo genau wir sind. Der Matrose schleppt unser Gepäck über den Sand zu den ersten Häusern. Und da wartet zu unserer Überraschung bereits ein Taxi. Top organisiert von John. Das ist (auch) Afrika!
Wenn eine Insel Sansibar heisst, sind die Erwartungen hoch, obwohl sie streng genommen eigentlich Unguja heisst. Sansibar tönt nach 1001 Nacht und nach Gewürzen, Sultanspalästen und geheimnisvollen Geschichten aus dem Orient. Die Insel war über viele Jahrhunderte tatsächlich eng mit der arabischen Welt verbunden.
Doch die Realität ist eine andere. Wir fahren vorbei an baufälligen Hütten, Wellblechdächern, mit Steinen und alten Autoreifen beschwert, dunklen Löchern, Bauruinen, rundherum Abfall. Kinder in schmutzigen Kleidern spielen der stark befahrenen Strasse entlang. Das Paradies spielt sich hinter streng bewachten Mauern ab, Festungen gleich, da, wo die Touristen absteigen und es sich gut gehen lassen und für eine Nacht etwa einen Monatslohn eines Einheimischen bezahlen.
Ein besonderes Erlebnis war der Besuch von Stone Town, der Geburtsstadt von Freddie Mercury, der hier 1946 als Farrokh Bulsara geboren wurde. Wir sind uns nach über drei Monaten in Afrika einiges gewohnt, doch diese Stadt übertrifft alles. Sie fordert alle Sinne, drängt sich auf, lässt einen staunen, verwirrt, verängstigt und manchmal auch die Nerven verlieren. Es ist heiss und feucht und LAUT. Es riecht nach Gewürzen, gegrilltem Fisch, Schweiss und Abgasen. Überall wird gehandelt, gefeilscht, gerufen, gestikuliert und auf die Touristen eingeredet.
Es ist ein Mix aus der Gegenwart und der jahrhundertelangen Vergangenheit: Arabische Händler, indische Kaufleute, afrikanische Traditionen und europäische Einflüsse haben hier ihre Spuren hinterlassen. Doch hinter dem exotischen Treiben steckt auch eine dunkle Geschichte von Sklavenhandel und kolonialer Macht und den damit verbundenen Verbrechen der Europäer.
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Noch nicht ganz so erschöpft ...😊 |
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Start frühmorgens vom Festland aus. |
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Ein Mix aus Gegenwart und Vergangenheit. Trug Freddie Mercury während der Magic Tour 1986 (Museum in seinem Geburtshaus). |




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