Asseyez-vous, s.v.p.
Heute stand der Besuch des Watershed College - eines Elite-College - in Marondera auf dem Programm. Eddie ist Musiklehrer dort, ein unglaublich zuvorkommender, netter Mann. Er hat uns auf dem Parkplatz in Empfang genommen und uns als Erstes der schottischen Rektorin vorgestellt. Danach gings direkt in den Französischunterricht, wo wir von neugierigen Schülerinnen und Schülern erwartet wurden. Auf die Bitte des Lehrers hin habe ich mich vorgestellt, meinen Bezug zu Frankreich erklärt, unser Vorhaben hier in Simbabwe und den anderen afrikanischen Ländern erläutert - und danach die Hälfte der Lektion bestritten. Französisch! Ach! Ich habe es vermihisst!!!
Wir konnten danach in Physik-, Chemie, Sprach-, Kunst- und Nähunterricht reinschnuppern, alles hochprofessionell, in afrikanischem Ambiente. Beeindruckt hat uns vor allem die Höflichkeit der Studentinnen und Studenten. Wenn sie einen auf dem Campus kreuzen, legen sie die rechte Hand aufs Herz und grüssen: "Good afternoon, Madam", wenn man in die Klasse kommt, spicken sie von ihren Stühlen auf, bis jemand sagt, dass sie sich wieder setzen dürfen ("asseyez-vous s.v.p."), niemand hat ein Handy in der Hand, die Dinger sind nicht erlaubt. Es ist eine Wonne, inmitten von so wohlerzogenen, herzigen jungen Menschen zu sein. Die Unterkünfte sind sehr schlicht: Immer zwei Schülerinnen oder Schüler teilen sich eine Schlafnische, eine Tür gibts nicht, nur einen Vorhang. Der Aufenthaltsraum besteht aus ein paar Sofas. Punkt. Sie haben einander, ihre Bücher, ihre Musik. Und das reicht.
Nach dem Mittagessen - für uns extra vegetarisch - gaben Eddies Schülerinnen und Schüler vor der Campus-Kapelle ein kleines Konzert. Es war wunderschön. Und einmal mehr waren wir beeindruckt, wie herzlich, zuvorkommend und unfassbar nett die Menschen hier sind. Gut, wenn man aus Zürich kommt, ist man auch nicht sonderlich verwöhnt ...
Nun sitze ich hier mit meinem Glas Wein, schreibe diese Zeilen und schaue in unseren zauberhaften Garten. Afrika.
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