Music is in the air
Freitagabend, es erwarten uns gleich zwei Highlights: Wir nehmen an der Probe der örtlichen Heilsarmee-Brass-Band teil, später wollen wir mit Reggis an ein Reggae-Konzert.
Der Beginn der Orchesterprobe scheint hier nicht ganz so sakrosankt zu sein: Eine Stunde lang tröpfeln einzelne Bandmitglieder in die Kirche, nehmen ihr Instrument hervor und setzen dann in die Melodie ein, wenn sie eben bereit dafür sind. Was uns aber geboten wird, pustet uns weg: im wahrsten Sinne des Wortes, wir müssen uns von der ersten Reihe ganz nach hinten setzen. Es klingt fantastisch, ich habe Gänsehaut und muss automatisch an dramatische Walt-Disney-Filmszenen denken. Der Vize-Dirigent nimmt sich dann ein paar Minuten für ein Interview, und wir erfahren, dass die meisten der Instrumente aus der Schweiz kommen: SwiZimAid, der Verein, für den wir hier unterwegs sind, hat sie gespendet. Die Instrumente bedeuten hier viel: "Musik verbindet Menschen, unabhängig von ihrer Sprache", sagt er. Wohl war, wir erlebens gerade selbst.
Bevors ans Reggae-Konzert geht, halten wir bei einem Pizza-Fast-food, schnappen uns eine Margherita und verdrücken sie auf der Rückbank von Reggis' Truck. Er fährt durch die stockdunkle Nacht, die Strassen sind schlecht, wir werden so richtig durchgeschüttelt. Und mir wird gerade die Szenerie bewusst: Wir sind irgendwo im Süden Afrikas, mampfen auf einer Autorückbank Pizza aus dem Karton, um uns pulsiert das Leben. Ich bin dankbar für alles, was wir diese erste Woche hier erleben durften, für die Menschen, die wir getroffen haben, für deren Herzlichkeit, Freundlichkeit und Begeistertung.
Die Musik zeigt uns wummernd den Weg: Das Reggae-Konzert ist schon in vollem Gang, proppenvoll der Publikumsbereich, alle singen, tanzen, klatschen. Es geht die Post ab, aber so richtig. Zwischen tanzenden Menschen stehen offene Schalen mit heisser Kohle, die Wärme spenden. Ich denke einen Moment daran, was wohl die Suva dazu sagen würde ... Das ist inzwischen unser Running Gag geworden: Ich erkläre Reggis, was in der Schweiz alles verboten ist (auf der offenen Ladefläche eines Trucks mitzufahren zum Beispiel oder sich ohne Sicherheitsgurte zu fünft auf eine Zweier-Rückbank zu quetschen), er antwortet lachend: "More safety, less fun". Recht hat er.

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