Anlaufschwierigkeiten

Wir sagen "Toonana" zu Harare und fahren mit Reggis Richtung Bulawayo. Unsere nächste Station erwartet uns: das Masiye-Camp. Leider verpassen wir wegen meiner Krankheitstage die Wasserbohrung, die wir hätten live verfolgen können (und über die wir eigentlich hätten schreiben sollen). Der Bohrkran begegnet uns auf seinem Rückweg immerhin auf dem Highway. In Bulawayo übergibt uns Reggis ("ohne Kratzer, ohne Beule, wie neu") an Chriswell, der uns hoch ins Masiye-Camp fährt. Was für eine Fahrt: Der Weg führt uns durch einen Nationalpark und eine ockerfarbene Landschaft, ein tiefblauer See leuchtet, alles ist in goldenes Licht getunkt. Wir begegnen keiner Menschenseele - dafür den ersten Zebras. 

Das Masiye-Camp ist ein grosses Areal, direkt am See gelegen, mit kleinen Hütten, Konferenzräumen und vielen Outdoor-Sportmöglichkeiten: Kanufahren, Zipline, Kletterpark ... Wir beziehen unsere Hütte, und obwohl wir nicht viel erwartet haben, müssen wir zweimal leer schlucken: Es ist sehr, sehr, seeehr karg. Bett, Lavabo, WC (ohne Brille). Immerhin mit afrikanischer Deko: Ein Gecko klebt an der Wand.

Am nächsten Tag lernen wir das Leiterteam kennen, zu dem wir gehören: Es besteht aus fünf Lehrerinnen und Lehrern, die übrigen Schweizer und ein Australier reisen erst tags darauf an. Wir werden intensiv auf unsere Aufgaben vorbereitet, es erwarten uns Theorieteile und Teambondingspiele. Wir hadern mit dem afrikanischen Englisch, verstehen vor allem Bahnhof und haben grösste Zweifel, dass wir der Aufgabe gewachsen sind. Immerhin treffen bald 50 Waisenkinder hier ein, die meisten (wenn nicht alle) traumatisiert. Das Ziel: Ihnen eine gute Zeit zu schenken, ihnen Mut zu machen, mit ihnen zu lachen, zu spielen, sie in schwierigen Momenten aufzufangen, damit sie nach einer Woche gestärkt zurück in ihr Leben gehen.

Die Zahlen sind erschreckend: In Simbabwe, einem Land mit 17 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern, gibts 1,5 Millionen Waisenkinder. Ihre Eltern verlieren sie an Aids - noch immer. In diesem Land sterben jährlich 20'000 Menschen am HI-Virus, 1,3 Millionen sind infiziert. Medikamente sind rar und teuer. Als ich mit Chriswell mit einem Bus die Kinder hole, bin ich schockiert, wie viele Waisenkinder es in einer einzigen kleinen Schule gibt: Es steigen im Durchschnitt 15 Kinder ein.

Die Kinder schliesslich im Camp willkommen zu heissen, zu sehen, wie sie glücklich ihr Schälchen Popcorn zum Zvieri in den Händen halten, wie sie freudig mitsingen und mitklatschen und sich vor Lachen schier nicht mehr einkriegen, wenn wir beim Stuhlspiel auf dem Boden landen, macht die spartanische Unterkunft mehr als wett. Und als ich im Dunkeln auf dem Weg zu unserer Hütte am Mädchenhaus vorbeikomme, winken mir zwanzig kleine Hände zu.

Good-bye Reggis!
Das schweizerisch-australische Leiterteam


Unsere Hütte: hübsch (von aussen)

Die Kinder kommen

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