Gorillas in the mist

Es ist Abend in Bwindi, ich bin körperlich und emotional komplett erschöpft: Das Gorilla-Trekking liegt hinter uns, diese "once in a lifetime experience". 

Zusammen mit einem Ranger und drei Gorilla-Spezialisten steigen wir vier Touristen in den "impenetrable forest" in Bwindi. Und "undurchdringbar" ist er tatsächlich: Die Guides müssen uns mit einer Machete den Weg bahnen, der Boden ist nass und glitschig, die Schuhe verheddern sich in den Pflanzenschlingen. Wir straucheln, halten uns alle gegenseitig an den Händen und an dornigen Zweigen fest und kämpfen uns durchs steile Dickicht. Bis der Ranger plötzlich stehen bleibt und unter einen Baum zeigt. Da sitzt es, mächtig und flauschig: ein Gorilla-Weibchen mit Baby. Ich bin überwältigt: "mein" allererster Gorilla! Ich schlucke den Kloss in meinem Hals hinunter. Er ist mindestens so gross wie das Tier vor mir.

Zu der Gruppe, die wir besuchen, gehören zehn Gorillas. Darunter zwei Silberrücken und zwei Babys. Ein schwangeres Weibchen schleppt den dicken Bauch über den Boden, legt sich vor uns auf den Rücken, pult in der Nase und verfolgt mit seinen Kulleraugen jede unserer Bewegungen. Es knackt und raschelt, plötzlich steht ein Silberrücken vor uns. Er! Ist! Riesig! Er geht lässig an uns vorbei und macht es sich unter einem Blätterdach gemütlich. Die Weibchen mit ihren Kindern folgen ihm und kuscheln sich an ihn. Sechs Gorillas auf einem Haufen, ein einziges schwarzes Fellknäuel, zum Greifen nah! Wir setzen uns daneben, hören ihren Atem. Wir reden nicht und bewegen uns nicht. Nicht aus Angst, sondern aus Ehrfurcht. Wir sind da, wo sie sind. Es ist überwältigend. 

28 der 50 Gorilla-Gruppen im Bwindi Impenetrable Forest werden zwei Jahre lang an Menschen gewöhnt. Unsere ist seit einem guten Jahr im Programm, wir sind also Teil der Angewöhnung. Die Ranger kommunizieren mit den Tieren, indem sie ihre Laute nachahmen. Wir alle müssen uns absolut leise und defensiv verhalten, damit sie merken: Wir sind gute Gorillas.😅Ausserdem ist es strikt verboten, wegzurennen, egal, was passiert. Da sind die Ranger konsequent und sehr schnell: Sie greifen unsere Arme und halten sie im Klammergriff. 

Wir bleiben vier Stunden bei den Tieren. Ganz zum Schluss gibts ziemlich Action. Wir folgen den Gorillas in grossem Abstand, plötzlich ein Riesengeschrei: Wir hören sie fighten, aber so richtig. Eines der Männchen fordert den alten Silberrücken heraus. Als wir zum Schauplatz, einer kleinen Lichtung, kommen, finden wir frisches Blut und Haarbüschel auf dem Boden. Da sind also richtig die Fetzen geflogen. Die Gorillas befinden sich nur ein paar Meter entfernt, es brodelt sichtlich in der Gruppe. Als die Tiere uns erblicken, geben sie uns klar und deutlich den Tarif durch: Sie kommen mit grossem Geschrei auf uns zu. Flüchten ist unmöglich: Wir werden von den Rangern geschnappt und festgehalten, bis das Spektakel vorüber ist. Und das ist der Moment, in dem sie uns ans Herz legen, den Rückweg anzutreten. Wir sind einverstanden ... 

In Afrika sagt man, Affen seien unsere Cousins. In der Tat teilen wir mit Gorillas 98,4 Prozent unseres Erbguts. Haben sie mich deshalb so berührt? Oder war es, weil ich trotz ihrer Grösse gespürt habe, wie verletzlich sie sind? Ich bin unendlich dankbar für diese Begegnung und die Einmaligkeit dieser Momente. Und: Ich habe seit gestern ein neues Hintergrundbild auf meinem Handy: mein allererster Gorilla - das Weibchen mit seinem Kind. (Tschuldigung, Maël!) 

Mein Gorilla mit Baby

 


 

Sitzend neben den schlafenden Gorillas

  
Glücklich nach dem Trekking

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Sansibar

Matratzen und Zwischenbilanz

Break am Lake Kariba